Wechseljahresbeschwerden

Unterstützung bei Hitzewallungen, Gelenkschmerzen & Co

Geschätzte Lesezeit: 4:00 Min.

Viele Frauen erleben in den Wechseljahren spürbare Beschwerden, von Hitzewallungen über Gelenkschmerzen bis hin zur Gewichtszunahme. Diese Beschwerden entstehen durch den sinkenden Östrogenspiegel und sind behandelbar. Erfahren Sie hier, was hinter den häufigsten Symptomen steckt und was wirklich hilft.

Kurz und knapp

  • Der sinkende Östrogenspiegel ist der Hauptauslöser der meisten Wechseljahresbeschwerden. Dazu zählen z. B. Hitzewallungen oder Gewichtszunahme.
  • Regelmäßige Bewegung, eine angepasste Ernährung und Stressreduktion sind nachweislich wirksam und können die Wechseljahresbeschwerden lindern.

  • Von pflanzlichen Präparaten bis zur Hormonersatztherapie gibt es wirksame Behandlungsoptionen. Bei starken Beschwerden lohnt sich das Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt.

  • Schnelle Hilfe bei Hitzewallungen? Bei akuten Hitzewallungen können kaltes Wasser an Handgelenken und Nacken, lockere Kleidung sowie tiefe, ruhige Atemzüge für schnelle Erleichterung sorgen. Auch kühle Getränke und ein gut gelüfteter Raum helfen dabei, den Körper rasch abzukühlen.

 

Selbsteinschätzung: Welche Wechseljahresbeschwerden belasten Sie am meisten?

  • 1/3
    der Frauen erleben keine Symptome der Wechseljahre.
  • 1/3
    der Frauen erleben leichte Symptome der Wechseljahre, die sie nicht stark belasten.
  • 1/3
    der Frauen erleben ausgeprägte Wechseljahresbeschwerden mit Behandlungsbedarf.
Quelle: Berufsverband der Frauenärzte e. V.

Was sind Wechseljahresbeschwerden?

Die Wechseljahre, auch Klimakterium genannt, sind eine natürliche Lebensphase, in der die Eierstöcke die Produktion der Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron schrittweise einstellen. Diese hormonelle Umstellung beeinflusst nahezu alle Organsysteme, von Gelenken über das Herzkreislaufsystem bis hin zum Gehirn. Die Hauptursache der meisten Wechseljahresbeschwerden ist der sinkende Östrogenspiegel. Östrogen ist weit mehr als nur ein „Sexualhormon“, es beeinflusst Knochen, Gelenke, Herz-Kreislauf, Gehirn, Haut und den gesamten Stoffwechsel.1

Was sind die häufigsten Symptome der Wechseljahre

Nur etwa 20 bis 25 % der Frauen erleben die Wechseljahre ohne nennenswerte Beschwerden. Rund 75 % der Frauen2 berichten von zumindest einer der folgenden Symptome während den Wechseljahren. In einer Studie wurden Frauen gebeten, anzugeben, welche dieser Beschwerden und in welcher Stärke bei ihnen aufgetreten sind, mit folgendem Ergebnis:

  • Hitzewallungen und Schweißausbrüche (87 %)

  • Schlafstörungen (84 %)

  • Körperliche und geistige Erschöpfung (84 %)

  • Gelenk- und Muskelbeschwerden (67 %)

  • Reizbarkeit (65 %)

Quelle: forsa 2024. Gesundheit, Beruf, Familie: Wie erleben Frauen die Wechseljahre?

Wichtig zu wissen: Die Symptome in den Wechseljahren sind sehr individuell. Genetik, Lebensstil, Stressniveau und körperliche Fitness spielen eine große Rolle dabei, wie stark die Symptome ausgeprägt sind.

Hitzewallungen: Wenn es plötzlich heiß wird

Plötzliches Schwitzen in den Wechseljahren breitet sich vom Oberkörper über Hals und Gesicht aus, begleitet von Rötung und anschließendem Kältegefühl. Manchmal kündigt sich eine Hitzewallung durch Unbehagen oder Druck im Kopf an. Laut einer Forsa-Studie sind bis zu 87 % der Frauen von Hitzewallungen betroffen, wobei nur bei jeder Dritten die Lebensqualität spürbar beeinträchtigt ist. Dauer, Stärke und Häufigkeit können sehr unterschiedlich sein: Bei manchen Frauen treten Hitzewallungen nur einige Male pro Woche und kaum spürbar auf, andere Frauen werden hingegen bis zu zwanzigmal täglich von der aufsteigenden Hitze überrollt.

Das sind die typischen Symptome einer Hitzewallung:

  • Plötzliche intensive Wärme im Oberkörper, Hals und Gesicht

  • Sichtbare Hautrötung (Flush)

  • Starkes Schwitzen, besonders an Hals, Brust und Rücken

  • Herzklopfen oder Herzrasen

  • Nachfolgendes Kältegefühl oder Schüttelfrost 

  • Dauer: meist 1–5 Minuten, manchmal bis zu 30 Minuten

 

Wie entstehen Hitzewallungen?

Die genaue Ursache der Hitzewallung liegt im Zusammenspiel von sinkendem Östrogen und dem Wärmeregulationszentrum im Hypothalamus – einem Bereich im Zwischenhirn, der unter anderem die Körpertemperatur reguliert. Östrogen stabilisiert normalerweise die sogenannte „Thermoneutralzone“, also den Bereich, in dem der Körper die Temperatur ohne Schwitzen oder Frieren halten kann. Bei Östrogenmangel verkleinert sich diese Zone drastisch, sodass sich schon kleinste Schwankungen eine Hitzewallung auslösen.

Sofortmaßnahmen bei Hitzewallungen

Für eine schnelle Hilfe bei Hitzewallungen können Sie folgende Sofortmaßnahmen anwenden: 

  • Kaltes Wasser: Handgelenke und Nacken mit kaltem Wasser oder Eiswürfeln kühlen 

  • Tiefe Atmung: Langsames, tiefes Atmen beruhigt den Körper

  • Kältekissen: Kleine Gelpads im Kühlschrank oder Tiefkühler bereithalten 

  • Leichte Kleidung: Atmungsaktive und nicht synthetische Kleidung tragen z. B. Leinen oder Baumwolle

  • Kühle Getränke: Ein Glas kaltes Wasser trinken

Langfristige Unterstützung bei Wechseljahresbeschwerden: Bei häufigen oder sehr starken Hitzewallungen kann eine Hormonersatztherapie (HRT) nach ärztlicher Beratung eine wirksame Behandlungsoption sein. Sie gleicht den sinkenden Östrogenspiegel aus und kann besonders hilfreich gegen Schwitzen in den Wechseljahren sein.

Gelenkschmerzen und Wechseljahre

Gelenk- und Muskelschmerzen in den Wechseljahren werden häufig nicht mit der hormonellen Umstellung in Verbindung gebracht. Dabei sind mehr als die Hälfte aller Frauen in der Perimenopause von diesem Symptom betroffen. Östrogen hat im Körper eine entzündungshemmende Wirkung. Es schützt den Gelenkknorpel, erhält die Elastizität von Sehen und Bändern und fördert die Produktion von Gelenkflüssigkeit.3 Wenn der Östrogenspiegel sinkt, verlieren Gelenke buchstäblich ihren Schutzschild.

Woran erkenne ich Muskel- und Gelenkschmerzen in den Wechseljahren?

Gelenkschmerzen durch Östrogenmangel zeigen typische Muster: 

Morgensteifigkeit Die Gelenke fühlen sich besonders nach dem Aufstehen steif und schmerzhaft an, lockern sich aber im Laufe des Tages.
Wandernde Schmerzen Die Schmerzen treten nicht immer an derselben Stelle auf, sondern wechseln zwischen verschiedenen Gelenken wie Knie, Handgelenk oder Schulter. Anders als bei Arthrose, die meist lokal begrenzt ist, ist dieses „wandernde" Muster typisch für hormonell bedingte Gelenkbeschwerden.
Symmetrische Muster Häufig sind beide Körperseiten gleichzeitig betroffen, zum Beispiel beide Handgelenke, beide Knie oder beide Schultern. Dieses symmetrische Muster entsteht, weil der Östrogenmangel den gesamten Körper betrifft, nicht nur einzelne Gelenke.
Muskelverspannungen Durch den sinkenden Östrogenspiegel werden die Muskeln schlechter durchblutet und verkrampfen leichter. Besonders im Nacken- und Schulterbereich äußert sich das in anhaltenden Verspannungen und einem Gefühl von Schwere oder Druck.

Wichtig: Wechseljahresbeschwerden wie Muskel- und Gelenkschmerzen sollten von einer Rheumatoiden Arthritis oder Arthrose von einem Arzt abgegrenzt werden. Bei langanhaltenden, stark entzündlichen Schmerzen, Schwellungen oder Funktionsverlust sollten Sie einen Arzt aufsuchen. 

Gewichtszunahme in den Wechseljahren

Gewichtszunahme in den Wechseljahren wird häufig als normale Folge des Älterwerdens angesehen. Dabei sind viele Frauen während der Perimenopause von einer unerwünschten Gewichtszunahme betroffen. Der sinkende Östrogenspiegel beeinflusst den Stoffwechsel und die Fettverteilung im Körper. Gleichzeitig nimmt die Muskelmasse ab, wodurch der Energieverbrauch sinkt. Dadurch fällt es vielen Frauen schwerer, ihr Gewicht zu halten.

Wie hängen Menopause und Gewichtszunahme zusammen? 

Viele Frauen fragen sich, warum die Waage trotz gesunder Ernährung und regelmäßiger Bewegung nach oben klettert. Die Antwort liegt nicht im Verhalten, sondern in der Biologie, genauer gesagt in vier Faktoren, die der Östrogenmangel auslöst und die sich gegenseitig verstärken: 

  • Veränderte Fettverteilung: Ohne Östrogen wandert das Körperfett von Hüfte und Oberschenkeln direkt in den Bauch und Bauchfett erhöht das Risiko für Diabetes und Herzerkrankungen.4

  • Muskelverlust: Östrogen schützt die Muskelmasse. Fällt es weg, sinkt der Grundumsatz, der Körper verbrennt weniger Kalorien.

  • Insulinresistenz: Der Körper braucht mehr Insulin, um Blutzucker zu regulieren und Insulin ist ein Fettspeicherhormon. Dadurch wird das Fett leichter eingelagert und der Heißhunger nimmt zu.

  • Schlafmangel: Hitzewallungen nachts stören den Schlaf und das bringt Hunger- und Sättigungshormone aus dem Gleichgewicht.

Gewichtszunahme in den Wechseljahren: Was tun?

Der wirksamste Ansatz gegen Gewichtszunahme in den Wechseljahren kombiniert Krafttraining mit einer angepassten Ernährung und unterstützt bei ungewollter Gewichtszunahme in den Wechseljahren durch Wassereinlagerung. Krafttraining 2- bis 3-mal pro Woche erhält die Muskelmasse und kurbelt den Grundumsatz an, denn nur Krafttraining wirkt dem hormonell bedingten Muskelverlust direkt entgegen. Ausdauersport allein reicht nicht aus. Gleichzeitig hilft eine proteinreiche Ernährung, die Muskeln zu schützen und Heißhunger vorzubeugen. Weniger Zucker und Weißmehl bekämpfen zusätzlich die Insulinresistenz. Statt einer strikten Diät empfiehlt sich eine moderate Kalorienanpassung von ca. 200 bis 300 kcal pro Tag.

Wechseljahresbeschwerden gut begleiten

Die Menopause ist eine natürliche Lebensphase und keine Krankheit. Es ist völlig normal, wenn Hitzewallungen, Schlafmangel oder Stimmungsschwankungen belastend sind und das eigene Wohlbefinden spürbar beeinträchtigen. Die gute Nachricht: Niemand muss diese Phase einfach nur „aushalten“. Mit der richtigen Kombination aus Anpassungen im Lebensstil, emotionaler Unterstützung und, wenn nötig, medizinischer Begleitung können die meisten Frauen wirksame Wege finden, mit ihren Symptomen umzugehen. Entscheidend ist, individuell das herauszufinden, was für den eigenen Körper am besten funktioniert.

Quellen
1 Medi-Karriere (2026): Östrogen: Wirkung und Funktion (zuletzt aufgerufen am 12.06.2026)
2 Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e. V. (2023): Wechseljahre. Wissen macht cool (zuletzt aufgerufen am 12.06.2026)
3 Sniekers, Y. H., Weinans, H., Bierma-Zeinstra, S. M., van Leeuwen, J. P., & van Osch, G. J. (2007). Animal models for osteoarthritis and cartilage research: an update review of cellular mechanisms conferring the indirect and direct effects of estrogen on articular cartilage. Osteoarthritis and Cartilage, 16(2), 254–256. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18202960/
4 Varela, C. E., et al. (2022). The regulation of adipose tissue health by estrogens. Frontiers in Endocrinology, 13, 889923. https://www.frontiersin.org/journals/endocrinology/articles/10.3389/fendo.2022.889923/full